Hall of Fame
PINETOP-Laudatio für Jo Bohnsack „Hall of Fame“ (posthum)
gehalten von Jo Schumacher
Wir beginnen heute mit einer Ehrung in der Kategorie Hall of Fame, die uns mit Wehmut erfüllt, weil sie posthum erfolgt. Wir hätten unserem Preisträger den PINETOP so gern noch zu Lebzeiten persönlich überreicht. Genau so war es geplant, er hat sich sehr über die Ehre und auf den heutigen Tag gefreut - er hatte nach außen hin auch dichtgehalten! — doch leider konnte es dazu nicht mehr kommen.
Im Oktober 2024 ist Jo Bohnsack im Alter von nur 64 Jahren viel zu früh von uns gegangen. Er war und bleibt einer der ganz Großen des Boogie-Woogie- und Blues-Pianos — ein Musiker von besonderem Format, von der schönen Nordseeinsel Sylt.
„Seine linke Hand: so präzise wie Ebbe und Flut, seine rechte Hand: stürmisch wie der Westwind, seine Stimme: wie mit Salzwasser gespült“ (…) „und: immer eine Handbreit Wasser unterm Kiel“ — so schrieb die Presse über ihn. Und treffender kann man es kaum sagen. Jo Bohnsack wusste Jung und Alt zu begeistern. Mit seinem mitreißenden Groove weckte er Lebensfreude, mit seinem Entertainment brachte er die Menschen zum Lachen, ließ sie Abstand finden zu den oft mühevollen Sorgen des Alltags und in seinen unvergleichlichen Blues ließ er die Tiefe des Lebens hörbar werden: Ob in der Musikmuschel der Sylter Strandpromenade, im Alten Kursaal in Westerland, ob im Hamburger Cottonclub oder verlässlich an jedem (!) 8.8.Festival seit 1988 in der FABRIK – und an unzähligen Orten mehr.
Jo hatte seinen ganz eigenen, unverwechselbaren Stil entwickelt. Einem Stück, das auf der Bühne mühelos und leicht wirkte, gingen oft unzählige Stunden der Beschäftigung mit dem Klang und der harmonischen Anordnung auf der Klaviatur voraus. Und seine Stimme zählte unseres Erachtens zu den besten Bluesstimmen, die es jemals im internationalen Raum gegeben hat.
Jo hatte ein Studium an der Hamburger Musikhochschule im Hauptfach Klavier erfolgreich absolviert. Als Erster in Deutschland schrieb er eine Examensarbeit über die Entstehungsgeschichte des Boogie-Woogie in den USA und schloss sie bei Prof. Dieter Glawischnig – der leider vor ein paar Tagen gestorben ist - mit der Note „Sehr gut“ ab.
Zu Jos prägenden Einflüssen zählten unter anderem Meade Lux Lewis, Jimmy Yancey und die Heroen aus New Orleans: James Booker, Fats Domino, Professor Longhair, Champion Jack Dupree, mit welchem er auch befreundet war und international konzertierte. U.a. tourte er mit B. B. King. Eigene Konzertreisen führten ihn nach Mexiko und Indonesien; beim North Sea Jazz Festival in Den Haag wurde er als „Piano-Gigant“ gefeiert, und beim Jazz & Heritage Festival in New Orleans entfachte er wahre Begeisterungsstürme.
Mit der Aufnahme in den erlesenen Kreis der STEINWAY-Künstler wurde ihm eine besondere Ehre zuteil, auf die er zeitlebens stolz war. Und wir wollen auch nicht unerwähnt lassen, dass er in Italien das Vorprogramm von Alicia Keys bestritt.
Wir vermissen ihn sehr, als Pianisten und Sänger, als Entertainer und als Mensch. Und doch sind wir heute sehr dankbar für das große Werk, das er uns hinterlassen hat: Musik voller Energie, Witz, Wildheit, Tiefe und Seele. Auf seinen Tonträgern, in Erinnerungen und im Herzen der Boogieszene bleibt er gegenwärtig, - und wir senden ihm heute Grüße in den Himmel und freuen uns zugleich, dass Jos Schwester Brigitte da ist, um den Award entgegenzunehmen.
Wir nehmen in die Hall of Fame des PINETOP posthum auf: den grandiosen Jo Bohnsack!

