Blues-Piano
Laudatio für Henning Pertiet „Blues-Piano“
gehalten von Jo Schumacher
Heute ehren wir in der Kategorie Blues-Piano einen Pianisten, der seit Anfang der 1990er Jahre ein fester Bestandteil der deutschen Blues- und Boogie-Woogie-Szene ist. Er ist in Hamburg geboren und lebt in Verden. Ich erinnere mich noch gerne daran, wie wir in unseren Anfangszeiten die Bremer Kneipenklaviere abklapperten, z.B. in der Kneipe mit dem originellen Namen: „Die Kneipe“ und „Rote Nase“ im Bremer Gete-Viertel. Und an eine Situation kann ich mich noch gut erinnern. Da brach er eine nächtliche Kneipen-Session ab mit den Worten: „Ich will nach Hause, ich muss morgen früh aufstehen und üben!“ Aber es war nicht nur ein Üben-Müssen, das ihn damals schon antrieb, sondern eine fortwährende und bis heute andauernde Suche nach Inspiration und Ausdruck.
Unser Preisträger hat die alten Meister der 88 Tasten intensiv anhand von Schallplatten studiert, zu seinen Heroen gehören Roosevelt Sykes, Meade Lux Lewis und Jimmy Yancey und verschiedene Barrelhousepianisten der 1. Stunde. Katalysator für die Begeisterung, aus der neben dem Berufswunsch Boogiepianist dann ein ganz eigener Stil und Klang hervorgingen, waren – wie für die meisten von uns in der Boogieszene Axel Zwingenberger und Vince Weber – In den 1990er Jahren etablierte er im Bremer Marriott-Hotel über Jahre hinweg regelmäßig stattfindende Boogie-Konzerte und Sessions in der Piano-Bar mit ihm als Gastgeber und anderen Musikern. Das muss man sich mal vorstellen: Boogie-Woogie über Jahre in einem Bremer Hotel – wer schafft das schon? Er hat es geschafft!
Mit Leidenschaft und Liebe bringt er nun schon seit Jahrzehnten die selten gewordene Kunst des Bluespianos unter die Leute auf vielfältigen Bühnen, hin und wieder auch die traditionellen Wege verlassend und sich mit Leidenschaft einer experimentellen Stimmung hingebend. Ein Journalist schrieb über ihn: „Beim Improvisieren interessiert ihn der Moment, in dem noch offen ist, was als Nächstes geschieht — das Risiko, die Gegenwart. Genau darin liegt seine besondere Kunst.“
2017 wurde er mit dem German-Blues-Award als bester Blues-Pianist ausgezeichnet. In seinem Spiel verbindet er Kraft und Feinheit, Tradition und Freiheit, Virtuosität und Seele. Und wenn er dazu noch als Organist, singender Bluesgitarrist oder mit seinem interessanten Synthesizerprojekt „Teitreph“ ganz eigene Wege geht, dann zeigt sich: Hier ist ein Musiker, der nicht in Schubladen passt, sondern Räume öffnet!
Wir freuen uns darauf, ihm den German-Boogie-Woogie-Award PINETOP in der Kategorie Blues-Piano zu verleihen!
Und sagen: Herzlichen Glückwunsch, Henning Pertiet!
